Zum Inhalt springen
EN DE

Multi-Agent Systeme

Dein Team hat einen AI Coding Agent gebaut, der gut funktioniert: Er liest Code, schlägt Aenderungen vor, schreibt Tests. Aber jetzt will das Management mehr — der Agent soll auch Deployment machen, Dokumentation schreiben und Code Reviews durchführen. Das Engineering-Team schlägt vor: “Wir brauchen mehrere spezialisierte Agents.”

Klingt logisch. Aber Multi-Agent Systeme sind kein Upgrade, das man einfach drauflegt. Sie sind eine Architekturentscheidung mit echten Tradeoffs. Eine 5-Agent-Pipeline, bei der jeder Agent 95% Zuverlaessigkeit hat, liefert nur noch ~77% End-to-End-Zuverlaessigkeit (0.95^5). Mehr Agents bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse.

Ein Multi-Agent System (MAS) besteht aus mehreren AI Agents — jeder mit einer definierten Rolle, eigenen Tools und einem begrenzten Aufgabenbereich. Statt einem Generalisten setzt Du ein Team von Spezialisten ein.

Multi-Agent Orchestration Patterns — Sequential, Parallel, Hierarchical

Drei Hauptmuster bestimmen, wie Agents zusammenarbeiten:

PatternWie es funktioniertGut fürRisiko
Sequential (Pipeline)Agent A gibt Output an Agent B, dann an Agent CLineare Workflows (Research, Draft, Review)Bottleneck: Ein Fehler blockiert alles
Parallel (Fan-out/Fan-in)Mehrere Agents arbeiten gleichzeitig, Ergebnisse werden zusammengefuehrtUnabhaengige Teilaufgaben (5 Wettbewerber gleichzeitig analysieren)Inkonsistente Outputs beim Mergen
Hierarchisch (Manager-Worker)Orchestrator-Agent delegiert an SpezialistenKomplexe Aufgaben mit dynamischer PlanungSingle Point of Failure beim Orchestrator

Graph-basierte Orchestrierung (z.B. via LangGraph) ist kein separates viertes Pattern, sondern eine Implementierungsmethode für die drei Patterns oben: Agents bilden einen gerichteten Graphen mit Bedingungen, Schleifen und dynamischem Routing.

FrameworkAnsatzStaerkeBest Fit
LangGraphGraph-basierte State MachinesMaximale Kontrolle, ComplianceEnterprise, mission-critical
CrewAIRollenbasierte CrewsEinfaches Mental Model, schnelles PrototypingContent Pipelines, Team-Simulationen
AutoGen (Microsoft)Event-driven Multi-Agent (seit v0.4)Async Execution, Human-in-the-LoopResearch, komplexes Reasoning
OpenAI Agents SDKLeichtgewichtige HandoffsEinfache Agent-zu-Agent-UebergabeOpenAI-Oekosystem-Produkte
Claude Agent SDKTool-Use mit Agentic LoopsTiefe Tool-Integration, MCP-nativKomplexe agentic Applications

Multi-Agent lohnt sich wenn: Teilaufgaben natuerlich trennbar sind, unterschiedliche Tools/Permissions brauchen, Parallelisierung Zeitvorteile bringt, oder verschiedene Trust Boundaries existieren.

Single-Agent ist besser wenn: die Aufgabe linear ist, Context-Sharing zwischen Schritten kritisch ist, Latenz wichtiger ist als Gruendlichkeit, oder Debugging-Einfachheit Priorität hat.

Die Multi-Agent Entscheidungsleiter — von oben nach unten durchgehen:

SchrittFrageErgebnis
1Kann ein einzelner Agent mit guten Tools das loesen?Ja: Single Agent nutzen
2Sind Teilaufgaben natuerlich unabhängig?Ja: Parallel Multi-Agent erwaegen
3Brauchen Teilaufgaben unterschiedliche Tools/Permissions?Ja: Spezialisierte Agents erwaegen
4Ist der Workflow linear mit klaren Phasen?Ja: Sequential Pipeline
5Braucht die Aufgabe dynamische Planung?Ja: Hierarchisch mit Orchestrator
6Immer: Mit 2-3 Agents startenKomplexität nur mit Evidenz erhöhen

Du bist PM bei einem B2B-SaaS-Unternehmen. Euer Produkt ist eine Content-Marketing-Plattform. Das Team will einen AI Content Workflow bauen:

  1. Research Agent — analysiert Trends und Wettbewerber-Content (braucht Web-Zugang)
  2. Writer Agent — erstellt Artikel basierend auf Research (braucht Brand Guidelines)
  3. SEO Agent — optimiert für Suchmaschinen (braucht SEO-Tools)
  4. Editor Agent — prüft Qualität und Fakten (braucht Fact-Checking-Tools)
  5. Publisher Agent — formatiert und veroeffentlicht (braucht CMS-Zugang)

Das Engineering-Team schaetzt 8 Wochen Entwicklung für die 5-Agent-Pipeline. Ein einzelner Agent mit allen Tools würde 3 Wochen dauern. Eure aktuelle manuelle Pipeline braucht 4 Stunden pro Artikel mit 3 Personen.

Die Frage: 5 Agents, 1 Agent, oder ein Kompromiss?

Wie wuerdest Du entscheiden?

Die beste Entscheidung: Starte mit 2-3 Agents, nicht mit 5. Konkret: Ein Research+Writer Agent (teilen viel Context) und ein Review+Publish Agent (teilen Quality Gates). SEO-Optimierung als Tool, nicht als eigener Agent.

Warum:

  • Research und Writing brauchen maximalen Context-Transfer — ein Agent-Boundary dazwischen verliert Nuancen
  • SEO ist ein Tool-Call (Keyword-Dichte prüfen, Meta-Tags generieren), kein eigener Reasoning-Loop
  • 3 Wochen für 1 Agent vs. 8 für 5 — starte mit 2-3 in ~5 Wochen und validiere
  • End-to-End-Zuverlaessigkeit bei 2 Agents (95% je): 90%. Bei 5 Agents: 77%

Was viele falsch machen: Für jeden Schritt im manuellen Prozess einen eigenen Agent erstellen. Menschliche Arbeitsteilung mappt nicht 1:1 auf Agent-Architektur — Agents können mehrere Rollen übernehmen, brauchen aber geteilten Context.

Multi-Agent Systeme loesen echte Probleme — aber die erste Frage muss immer sein: Scheitert ein einzelner Agent wirklich an dieser Aufgabe?

  • Jede Agent-Boundary ist ein Ort, an dem Context verloren geht und Fehler sich multiplizieren
  • Die Framework-Wahl (LangGraph, CrewAI, etc.) ist selten der Differenziator — Prompts, Tools und Daten sind es
  • Start small: 2-3 Agents maximal, Komplexität nur mit Evidenz erhöhen

Quellen: Adopt AI — Multi-Agent Frameworks (2025), Turing — AI Agent Frameworks (2026), DEV Community — LangGraph vs CrewAI vs AutoGen (2026)

Part of AI Learning — free courses from prompt to production. Jan on LinkedIn